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 EXCERPT:

Die jüngsten Diskussionen mit PolitikerInnen und anderen InteressensvertreterInnen über die Potenziale des „Vertical Farming“ führten zu diesem Essay. Neben allen Vorteilen, welche dezentrale Lebensmittelproduktion in urbanen Agglomerationen bietet (und von allen DiskussionspartnerInnen nachvollzogen werden können), wird die Kritik über den großen infrastrukturellen Aufwand, den ein gestapeltes Treibhaus mit sich bringt, immer einseitig auf eben diese Lebensmittelproduktionsmethode bezogen. Es wird dabei vollkommen übersehen, dass die traditionelle konventionelle Landwirtschaft einen versteckten und daher unbewussten (globalen und regionalen) infrastrukturellen Aufwand betreibt, vollkommen abhängig von fossilen Brennstoffen.

(…)

Es ist ein glücklicher Umstand, dass ein so fruchtbares Land wie das Marchfeld vor den Toren Wiens liegt. Die kulturell verankerten Sonderprodukte wie der „Marchfelder Spargel“ führen zu einem hohen Identifikationspotential seitens der Bevölkerung. Kritisch zu beurteilen ist aber die  Emotionalisierung und Idealisierung des Status Quo, die zu einer Überhöhung der Bedeutung führen, die das Gebiet für die Lebensmittelversorgung hat. Diese Romantisierung ist jedoch kein lokales Phänomen, sondern lässt sich in allen Industrieländern finden. Es ist eine Tatsache, dass ein beträchtlicher Teil der Massenprodukte für die Lebensmittelindustrie gar nicht regional sein kann, weil wir schlichtweg zu wenig Anbaufläche zu Verfügung haben.

Im ersten Augenblick scheint für den Laien die Errichtung einer Vertikalen Farm ein Energie- und Materialaufwand, der nicht angemessen ist. Das hat meiner Meinung nach zwei Gründe: Die Vertikale Farm ist eine neue Typologie, für welche es in unserer ästhetischen Wahrnehmung keine Entsprechung gibt und deshalb einen automatischer Skeptizismus auslöst. Der Material- und Energieaufwand wird derzeit in der Forschung untersucht und mit dem herkömmlichen konventionellen System verglichen. Es kann aber jetzt schon belegt werden, dass durch die große Flächenreduktion, die die Anbaupraxis der Vertikalen Farm bietet, eine der größten Herausforderungen der Bevölkerung entspannen kann: die Verknappung der „gha“, der pro Erdenbürger zu Verfügung stehenden Fläche.

Die Vertikale Farm bietet die Möglichkeit der Sensibilisierung für die Lebensmittelproduktion, sie führt die Produkte wieder dorthin zurück, wo sie konsumiert werden. Sie erhebt keinen Anspruch auf das Ersetzen der konventionellen traditionellen Landwirtschaft, sie entspannt aber den derzeitigen „Flächenstress“ und schafft Fläche und Raum für alternative Anbaumethoden ohne Produktions- und Quantitätsdruck.

Daniel Podmirseg

 

APPENDIX:

Flächenbedarf der Landwirtschaft zur Versorgung Wiens:
= ca. 10 x der Stadtfläche Wiens
= ca. 58 x der Anbaufläche des Marchfeldes

 

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