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“Ist das Müll oder kann das weg?”

Südtirol. Siegmundskron. Die künstlich am Leben gehaltene Sehnsucht nach einem unabhängigen Land, in dem die Euthanasie verboten ist. Kontroversieller kann eine hinkende Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte kaum umgesetzt werden. Für Jahre konnte jeder, der über den Brenner nach Italien fuhr, einen Müllberg wachsen sehen. Ein Müllberg auf einem Berg, in einer morphologischen Symbiose mit Schloss Siegmundskron, einer Ikone Südtiroler Unabhängigkeitsbestrebungen. Nach fehlendem Erfolg, jene Ruine zu veräußern, konnte sie zumindest inhaltlich bereichert werden, indem man ihr den Müll der letzten Jahrzehnte gegenüber setzte.  Um dieser Figur, nach unglücklichem (Schach-) Zug, Nachhaltigkeit zu verleiten, sieht sich die Überdachung des Müllbergs als Deckung derselben. Kinderspielplatz darunter, um dem Zynismus zu frönen und fertig ist ein Projekt, über welches in einigen Jahrzehnten ebenso hinkend diskutiert werden wird wie derzeit noch immer über die architektonische Ikone der Aufstände vor über sechzig Jahren oder zwei Generationen. “Kein Wunder, dass Reinhold Messner diesen Platz wollte und keinen anderen.” Die Zeit, 7.6.2006

“Das Archiv, das eine Sammel- und Konservierungsstelle für das Vergangene, aber nicht zu Verlierende ist, kann als umgekehrtes Spiegelbild zur Mülldeponie betrachtet werden, auf der das Vergangene eingesammelt und dem Zerfall überlassen wird. Archiv und Müll sind aber nicht nur durch eine bildliche Analogie, sondern auch durch eine gemeinsame Grenze miteinander verbunden, die von Gegenständen in beiden Richtungen überschritten werden kann.
[...] Indem Künstler Abfall, das aus der Ökonomie Ausgeschlossene in ihre Werke integrieren, bauen sie eine andere Ökonomie auf. Sie zwingen den Betrachter, die Außengrenze seiner symbolischen Sinnwelt zu überschreiten und sich das System Kultur mit seinen Mechanismen der Entwertung und Ausgrenzung bewusst zu machen. Solche Kunst operiert nicht mimetisch sondern strukturell; sie bildet nichts ab und stellt nichts nach, vielmehr macht sie das schlechthin Unsichtbare, nämlich die Grundstrukturen kultureller Wert- und Unwert-Produktion sichtbar.”

Aleida Assmann: Jenseits der Archive, in: Aleida Assmann: Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses. C.H. Beck, München, 1999